Die GemüseAckerdemie ist ein Bildungsprogramm von Acker

Acker Reportage 18. August 2025 Judith Holly

Hier wächst Zukunft: Die Schüler Paul und Arti über ihre Zeit bei der GemüseAckerdemie

Die Schüler und besten Freunde Paul und Arti der Mittelschule Liefering beim Ernten im Schulgarten. Acker Österreich

In diesem Schuljahr haben Paul und Arti aus der 4. Klasse der Mittelschule Liefering in Salzburg nicht nur gesät, gejätet und gewässert – sie haben am Acker auch viel über sich selbst, über Verantwortung und über ihre beruflichen Zukunftspläne gelernt. Im Interview erzählen die beiden, wie das Ackern ihre Schulzeit geprägt hat, warum ihnen der Schulgarten so viel bedeutet und welche Tipps sie den nächsten Klassen mitgeben möchten 

Ihr seid nun in der 4. Klasse der letzten Schulstufe der Mittelschule. Wie geht es nach dem Sommer bei euch weiter?

Arti: Ich habe vor eine Lehre als Betriebslogistiker oder Einzelhandelskaufmann zu machen. Und du, Paul?  

Paul: Bei mir geht es in die 5-jährige Landwirtschaftsschule mit Matura. 

Glaubt ihr, hat das Ackern einen Einfluss auf die Entscheidung eurer Ausbildung?

Arti: Ja, auf jeden Fall. Ich habe gesehen, dass es bei meiner Lehre auch einen Kurs im Landwirtschaftsbereich gibt. Neben Kochen, Metall- und Holztechnik gibt es etwas zum Gemüseanbau. Also da könnte mein Wissen vom Acker schon sehr hilfreich sein. 

Paul: Wir haben zu Hause eine Landwirtschaft. Das spielt natürlich eine große Rolle für meine Entscheidung. Aber ich finde es trotzdem sehr spannend, wie sich die Sachen entwickelt haben. Es ist einfach toll, wenn man selbst an etwas arbeitet und dann hat man auch etwas zu essen davon. 

Paul, wie unterscheidet sich das Ackern an der Schule von der Landwirtschaft zu Hause?  

Paul: Puh, wie soll man das beschreiben? Der eindeutigste Unterschied ist wahrscheinlich die Größe. Zu Hause machen wir viel maschinell. Vor allem bei der Unkrautpflege. An der Schule wird alles mit der Hand gemacht. Wir haben hier Hochbeete, weshalb wir zum Beispiel viel öfter gießen müssen, da die Pflanzen mit ihren Wurzeln nicht so weit nach unten kommen zum Wasser. Dafür haben wir in den Beeten der Schule weniger Schädlinge. Aber für mich spielt es keine Rolle, ich schätze die Ernte an beiden Orten sehr.  

Was habt ihr durch den Schulgarten gelernt?  

Arti: Ich habe gelernt, dass man manches Gemüse nicht zu eng setzen darf. Bestimmte Pflanzen brauchen einfach mehr Platz als andere, damit sie gut wachsen. Ich habe auch gelernt, dass man Kartoffeln anhäufeln muss.  

Was mögt ihr beim Ackern am liebsten?  

Arti: Unkraut rausholen! Ganz eindeutig. Dann haben die Pflanzen nämlich gleich eine bessere Chance, um sich zu entwickeln. Wir lockern damit auch die Erde auf. Im Anschluss gießen wir die Pflanze, dann verteilt sich das Wasser gut. 

Paul: Für mich ist es das Säen und Ernten. Wenn ich merke, wie groß eine Pflanze schon ist, die ich erst vor ein paar Wochen eingesetzt habe, dann macht mir das besonders viel Freude. 

Wie oft seid ihr im Schulgarten?  

Paul: Also Arti und ich gehen meistens in jeder großen Pause selbstständig auf den Acker. Die Pause dauert 25 Minuten, da schauen wir nach, was es zu tun gibt.  

Wie sind die Ackerstunden bei euch organisiert?  

Arti: Bei den Pflanzungen sind immer alle dabei. Ansonsten kann jede*r ackern, wenn es Zeit dafür gibt. Momentan haben wir auch eine Einteilung, wann und wer im Schulgarten etwas übernimmt. Aber die funktioniert leider noch nicht so richtig. Oft machen Paul und ich dann die Dinge, die gerade anstehen, weil es uns auch besonders viel Freude bereitet. Wir mögen es einfach zu wässern, Unkraut zu jäten und zu ernten.  

Paul: Wenn dann mal mehr auf einmal zu ernten ist, dann helfen aber immer alle mit. Wir verarbeiten das Gemüse teilweise auch direkt in der Schule. Letztes Jahr haben wir aus den Kürbissen eine Kürbiscremesuppe gemacht. Die war sehr gut. Oft bereiten wir verschiedene gemischte Salate zu.  

Arti: Aja, Gurkensalat haben wir gemacht. Der war toll!  

Gab es im letzten Jahr ein besonders schönes Ackererlebnis für euch? 

Arti: Wir haben uns sehr darüber gefreut, wie schnell die Kürbisse gewachsen sind. Da ist nur eine Woche vergangen und schon waren die richtig, richtig, groß geworden!  

Paul: Am Acker ist es immer schön!  

Was war bisher euer größter Aha-Moment im Schulgarten?  

Arti: Ich habe die Gurkenpflanzen mal falsch eingesetzt und dann haben die nicht genügend Licht bekommen. Dadurch habe ich gelernt, dass sie eigentlich sehr viel Sonnenlicht brauchen, damit sie ordentlich wachsen können. 

Paul: Für mich sind es immer die Momente, wenn ich das Gemüse aus der Erde drehe und sehe, wie es geworden ist. Da kommen dann die Gefühle hoch! Das ist einfach „Wow“!  

Arti: Ja, da kann man wirklich stolz auf sich sein.  

Warum macht euch das Ackern so viel Spaß?  

Paul: Ich finde es faszinierend, was aus einem „leeren“ Feld alles entstehen kann. Wenn ich ein bisschen Arbeit hineinstecke und dann sehe, dass ich etwas zurückbekomme, macht es mir besonders Spaß. 

Arti: Ich habe von Paul viel über den Gemüseanbau gelernt. Dank ihm bin ich sehr wissend geworden. Wenn man mit seinem besten Freund in der Schule ackern kann, fühlt sich das toll an. 

Stellt euch vor, ihr seid die Schulleitung und hättet einen Wünsch frei, um etwas an eurer Schule zu verändern. Dieser Wunsch müsste jedoch mit Gemüse oder dem Acker zu tun haben. – Was wäre das?   

Arti: Mehr Ackerfläche. 

Paul: Ja, auf jeden Fall. Man könnte neben dem Sportplatz noch Kartoffeln anbauen, da gäbe es gut Platz. Dann könnten wir auch sehen, wie das Gemüse im „echten“ Boden wächst und nicht nur in den Hochbeeten. Ich würde mir auch wünschen, dass wir noch mehr im Garten machen.   

Was denkt ihr, müsste passieren, damit eure Wünsche in Erfüllung gehen?  

Paul: Wahrscheinlich bräuchte es mehr Unterricht!  

Arti: Ja, wir haben einfach nicht genug Zeit dafür. Wir haben viel zu tun, viele Schularbeiten, viele Freiarbeiten viele Tests. Da kann man leider nicht immer auf den Acker gehen.  

Bald übergebt ihr den Garten an die neuen Klassen. Welche Ackertipps würdet ihr den Schüler*innen mit auf den Weg geben?  

Paul: Immer Unkraut jäten. 

Arti: Und Wässern! Regelmäßig nachschauen, wie viel Wasser jede Pflanze gerade braucht. Man kann auch gut überprüfen, ob die Erde noch feucht ist. 

Paul: Ich würde ihnen auch den Tipp geben, dass man bei der Aussaat die kleinen Samenkörner mit Sand mischt. 

Arti: Vor allem finde ich es wichtig, die Erstklässler zu motiviert, damit sie überhaupt ackern wollen.   

Paul: Man muss ihnen zeigen, was bei der Arbeit im Schulgarten alles entstehen kann.  

Vielen Dank für das schöne Gespräch, Paul und Arti. Wir wünschen euch viel Erfolg für die Zukunft und freuen uns sehr, dass ihr so viel Spaß am Ackern habt!