Die GemüseAckerdemie ist ein Bildungsprogramm von Acker

Acker Reportage 22. Juli 2025 Judith Holly

Essengehen mit Kindern *im Landgasthaus

Acker Österreich

Mit Kindern Essengehen ist nicht immer einfach. Vor allem dann nicht, wenn es gesund und nachhaltig sein soll. In der Regel fällt die Entscheidung beim Essen-außer-Haus auf Lokale mit schnellen, preiswerten Gerichten, die meist wenig nährstoffreich sind. Um dem entgegenzuwirken, möchten wir mit unserem Projekt „AckerTeller" eine echte Alternative für Kinder und Jugendliche in der österreichischen Gastronomie schaffen. Ein gesunder Teller für die vielfältigen Geschmäcker unserer Jüngsten! Teil unseres Vorhabens ist es dabei auch, das aktuelle Angebot für Kinder unter die Lupe zu nehmen: Was finden wir für Gerichte auf den Speisekarten und wie schmecken die eigentlich? 

Begleitet unsere AckerReporterin bei ihrer Recherche durch die österreichische Gastronomielandschaft. Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen zeigt sie euch, welche Speisen gegessen werden und warum es den „AckerTeller“ braucht. In dieser Ausgabe geht sie mit dem vierjährigen Florian und seiner Mutter Anna (*beide Namen geändert) in einem Landgasthaus in Oberösterreich essen.




„Schnitzel, Spätzle, Frittatensuppe und Kaiserschmarren haben uns sehr gut geschmeckt.“ – „Ein super Traditionsbetrieb. Komme gerne wieder!“ – „Leckere und frische Speisen.“ – lesen wir bei den Kommentaren der Google-Rezensionen. Von über 300 Bewertungen erhält das Lokal 4,4 Sterne. Ob es hier auch etwas Nachhaltiges und Gesundes für Kinder gibt?

Pinocchio-Würstel, Pippi-Langstrumpf-Spaghetti und kleine grüne Igel

Es ist Mittagszeit. Anna holt ihren Sohn Florian vom Kindergarten ab und wir machen uns auf den Weg ins Gasthaus. Das Lokal befindet sich in einer umliegenden Gemeinde des Wohnorts der Familie. Wir sind mit dem Auto unterwegs. Um etwa 13 Uhr erreichen wir den Ort und nehmen an einem rustikalen Holztisch im Gastgarten des Lokals Platz. Es riecht nach heißem Frittierfett. Am Nebentisch ein paar ältere Herren, die Bier trinken. Sie erfreuen sich an der alkoholischen Abkühlung. Heute hat es fast 30 Grad. Es vergehen keine zwei Minuten, schon überreicht uns der Kellner die Speisekarte. „Darfs etwas zum Trinken sein?“, werden wir gefragt. „Ein Capi gespritzt bitte“, sagt Anna. „Florian, was möchtest du trinken?“ „Ich will ein Leitungswasser“, antwortet der Vierjährige. „Magst du auch was essen? Soll ich schauen, was es hier so gibt?“ Anna liest vor: „Mickey-Mouse-Kinderschnitzel mit Pommes, Pippi-Langstrumpf-Spaghetti Bolognese, Pinocchio-Grillwürstel mit Pommes oder Spongebob-Fischstäbchen mit Pommes.“ „Pippi-Langstrumpf-Spaghetti? Was ist das?“, fragt Florian. „Ich glaube, das sind Nudeln mit roter Soße“, antwortet Anna und fragt weiter: „Magst du die bestellen?“ „Nein, ich will Nudeln ohne Soße!“ „Nudeln ohne Soße? Wirklich?“, schaut sie verwundert. „Nein, ich mag ein Eis!“, ruft Florian und hüpft vom Tisch.  

In der Mitte des Gastgartens stehen zwei alte Kastanienbäume. Sie spenden Schatten. Florian findet unter den Bäumen grüne Früchte mit kleinen Stacheln. Er hebt sie vom Boden auf und ruft zu uns rüber: „Schau mal, Mama, die sind ganz spitz! Das sind kleine Igel.“ Anna hat in der Zwischenzeit die Karte durchgeblättert und ist bei den Nachspeisen angelangt: „Florian, sollen wir die Waffeln mit Eis und Kirschen bestellen? Magst du die?“ Fasziniert von den spitzen Baumfrüchten, antwortet er mit einem raschen: „Ja.“

Vanilleeis ist okay, aber Erdbeereis mag ich lieber!

Wir bestellen also das Waffelgericht, während sich Florian weiterhin mit den Kastanien beschäftigt. Es dauert nicht lange, bis der Kellner uns einen prallgefüllten Teller bringt, auf dem sich zwei Stück Waffeln mit Kirschkompott, Schokoladensoße, frischen Erdbeeren, einer Kugel Vanilleeis und einer ordentlichen Portion Schlagobers befinden. 

Florian fängt an, das Schlagobers mit den Fingern zu naschen. „Soll ich dir die Waffeln klein schneiden?“, fragt Anna. „Nein, das kann ich selbst“, antwortet er und schnappt sich eine Gabel, um das Vanilleeis zu probieren. „Und wie schmeckt es?“, will Anna wissen. Florian zeigt beide Daumen nach oben: „Gut, aber Erdbeereis mag ich lieber!“

Vegetarisch und kindgerecht bitte

Die Kirschen und die Waffeln berührt Florian nicht. Das Eis schmilzt. Er versucht die letzten gefrorenen Stücke zu erwischen. Auch die frischen Erdbeeren scheinen zu schmecken. „Wollen wir die Kirschen probieren?“, fragt Anna. Unbeeindruckt legt der Vierjährige die Gabel zur Seite und nimmt einen Schluck Wasser. – „Ich habe keinen Hunger mehr!“  

Anna erzählt uns, dass sie sich auf der Speisekarte zumindest eine vegetarische Hauptspeise für Kinder gewünscht hätte. Sie kennt die Situation nur zu gut, dass Florian manchmal nicht das ganze Gericht aufessen kann. Da Anna und ihr Mann vegetarisch leben ist es deshalb oft schwierig, dass das übrig gebliebene Essen nicht weggeschmissen wird. Um dem entgegenzuwirken, bestellt sie beim Essengehen für Florian meist Pommes. Da kann sie sicher sein, dass er das Gericht gerne mag und falls doch etwas überbleibt, wird es von den Eltern aufgegessen. Mittlerweile hat sich am Teller ein See aus Kirschen und Vanille gebildet. „Ich muss aufs Klo!“, meldet sich Florian. 

Essengehen mit Kindern, ein Balanceakt

„Zahlen bitte!“, ruft Anna dem Kellner entgegen. Florian spielt wieder unter den Kastanienbäumen. Das Einsammeln der Früchte erscheint aufregender, als bei den Erwachsenen am Tisch zu sitzen. „Das macht dann 16,30 bitte!“ präsentiert uns der Kellner die Rechnung. Anna war mit dem Service des Lokals grundsätzlich zufrieden, wenn auch das Essengehen mit Kindern weiterhin eine Herausforderung bleibt.




Um Kindern und Jugendlichen ein gesundes und nachhaltiges Angebot beim Essen-außer-Haus zu ermöglichen, entwickeln wir gemeinsam mit Gastronom*innen, Kindern und Eltern den „AckerTeller“. Dieser soll speziell für Kinder konzipierte Speisen auf den Teller bringen, die nicht nur gut schmecken, sondern auch eine ausgewogene Ernährung fördern. Denn leider spielen Angebote für unsere Jüngsten in der Gastronomie oft nur eine Nebenrolle – das wollen wir ändern! Unser Ziel: Eine bessere, attraktivere und nachhaltigere Auswahl, die gesund ist und schmeckt.

Unser Innovationsvorhaben „AckerTeller“