Aller Ehren wert: Fünf AckerCoach*innen im Portrait
dm/Wolfgang Lienbacher
Ohne unserer AckerCoach*innen, die sich mit viel Zeit und Engagement einbringen, lägen unsere Äcker brach. Über 22 AckerCoach*innen betreuen im Jahr 2026 über 110 Pflanzungen in Schulen und Kindergärten – darunter fällt auch die Befähigung der Pädagog*innen, sowie die Pflegeworkshops zur Vorbereitung auf die Sommerferien.
Eine grandiose Leistung, die gesehen werden soll: Unsere AckerCoach*innen geben an unseren Lernorten ihr Wissen zum Gemüseanbau weiter und begeistern Kinder und Jugendliche für Natur, Umwelt und Ernährung. Das hat ein großes Dankeschön verdient!
Im Beitragen lassen wir unsere AckerCoach*innen selbst zu Wort kommen: Sie erzählen euch, warum sie sich engagieren, was ihre Lieblingsmomente auf dem Acker sind und was sie sich für die Zukunft unserer Lernorte wünschen. Viel Spaß beim Reinlesen!
Daniela
Warum engagierst du dich als AckerCoachin?
Ich finde es sinnvoll Kindern und Erwachsenen das Gärtnern näher zu bringen. Sie erleben selbst, wie Gemüse aussieht, wie es riecht, sich anfühlt und natürlich, wie es schmeckt. Außerdem arbeiten sie mit ihren Händen in der Erde und erfahren wie Insekten und Würmer die Gemüsepflanzen mit Nährstoffen versorgen und den Boden auflockern. Dabei lernen nicht nur die Kinder immer etwas Neues, sondern auch ich.
Was war bisher dein Lieblingsmoment auf dem Acker?
Mein Lieblingsmoment ist jedes Mal der, wenn das gemeinsame Ackern zur Freude wird und alle regelrecht in die Erde „versinken“.
Was machst du, wenn du nicht ackerst?
Ich studiere Malerei und arbeite in einer Galerie und als Köchin. Ich bin auch Musikerin, produziere meine Musik und trete live an verschiedenen Orten auf. Vor einigen Jahren habe ich noch in Berlin gelebt und dort mit anderen Menschen einen Stadtgarten gegründet.
Welchen Ratschlag hast du für das Ackern mit Kindern?
Es ist wichtig beim Ackern Spaß zu haben! Ich würde mit Kindern regelmäßig beobachten, wie sich Pflanzen entwickeln. Das macht Freude und bringt viele „Aha-Momente“. Aber natürlich ist auch das Verkosten wichtig und dabei den Unterschied vom Gemüse am Acker zum Gemüse vom Supermarkt zu schmecken.
Walter
Warum engagierst du dich als AckerCoach?
Ich engagiere mich als AckerCoach, weil mir wichtig ist, Kindern den Bezug zu gesunder Ernährung und zu Lebensmitteln näherzubringen. Viele Kinder wissen heute kaum noch, woher Gemüse eigentlich kommt oder wie viel Arbeit hinter einem Lebensmittel steckt. Durch das gemeinsame Ackern können sie erleben, wie aus einem kleinen Samen etwas Essbares wächst. Besonders schön finde ich, dass die Kinder dabei selbst aktiv werden und Dinge eigenständig ausprobieren können. Dieses „Selbermachen“ stärkt nicht nur ihr Wissen, sondern auch ihr Selbstvertrauen und ihre Wertschätzung für Natur und Lebensmittel.
Was war bisher dein Lieblingsmoment auf dem Acker?
Ein ganz besonderer Moment war für mich im Kindergarten in Suben. Dort ackert ein vierjähriges Mädchen seit letztem Jahr regelmäßig mit uns und hat inzwischen sehr viel Wissen und Sicherheit am Acker entwickelt. Bei einem Ackerbesucher, der LEADER-Geschäftsführung, hat sie sofort die Initiative ergriffen: Ganz selbstverständlich hat sie ihn unter ihre Fittiche genommen und ihm erklärt, was am Acker gerade zu tun ist. Es war beeindruckend zu sehen, mit welchem Selbstbewusstsein und welcher Begeisterung sie ihr Wissen weitergegeben hat. Genau solche Momente zeigen mir, wie viel Kinder durch praktische Erfahrungen lernen können.
Was machst du, wenn du nicht ackerst?
Wenn ich nicht am Acker bin, beschäftige ich mich beruflich mit Erwachsenenbildung. Dabei befasse ich mich mit den Themen soziale Kompetenzen und Resilienz. Mir ist wichtig, Menschen darin zu stärken, gut mit Herausforderungen umzugehen und achtsam miteinander zu arbeiten. Außerdem interessiere ich mich sehr für das Thema Gemeinwohl-Ökonomie und nachhaltiges Wirtschaften. Auch privat begleiten mich diese Interessen, denn ich habe einen eigenen Garten, der sich an den Prinzipien der Permakultur ausrichtet.
Welchen Ratschlag hast du für das Ackern mit Kindern?
Mein wichtigster Ratschlag ist, offen für Kinder und ihre Anliegen zu bleiben. Je nach Alter bringen sie ganz unterschiedliche Fragen, Ideen und Zugänge mit. Meist entstehen die schönsten Lernmomente dann, wenn man spontan auf ihre Neugier eingeht. Kinder lernen besonders gut, wenn sie selbst entdecken, ausprobieren und mitgestalten dürfen.
Julia
Warum engagierst du dich als AckerCoachin?
Natur, Pflanzen und die Arbeit mit Kindern liegen mir sehr am Herzen. Mir ist es besonders wichtig Kinder für Klima- und Umweltschutz zu begeistern. Als AckerCoachin kann ich diese Themen gut miteinander verbinden. Die Kinder erleben die Natur am Acker, üben wie sie selbst Gemüse anbauen, kosten nachhaltiges Essen und verstehen den Wert von Lebensmitteln. Dieses Projekt ist total sinnvoll und bereitet mir viel Freude.
Was war bisher dein Lieblingsmoment auf dem Acker?
Das ist schwierig zu sagen, weil es schon so viele tolle Momente gab. Besonders schön finde ich immer die Begeisterung und Motivation, die bei den Kindern aufkommt, wenn wir pflanzen. Ich mag es auch sehr, wenn dabei Fragen gestellt werden und alle neugierig sind. Zum Beispiel ist es mir mal passiert, dass ein Kind gefragt hat, warum auf dem Erdapfel schon Erde ist, obwohl wir diesen doch gerade erst einsetzen. Als ich es dann erklärt habe, entwickelte sich ein tolles Gespräch darüber, nicht nur über Erdäpfel sondern auch über Karotten und anderes Gemüse.
Was machst du, wenn du nicht ackerst?
Ich arbeite bei der Klima- und Energiemodellregion Vöckla-Ager und bin selbstständig als Reitpädagogin und Naturvermittlerin. Auch privat verbringe ich viel Zeit in der Natur, meistens mit meinen Pferden oder im Garten. Ich lese gerne und bin oft in den Bergen unterwegs.
Welchen Ratschlag hast du für das Ackern mit Kindern?
Einfach machen (lassen)! Kinder schaffen viel selbstständig, oft mehr als man denkt, und Gemüsepflanzen halten auch so einiges aus. Wir Erwachsenen sind meist deutlich perfektionistischer als Kinder. Für Kinder muss das Gemüse nicht perfekt sein oder extra groß sein, sie sind stolz auf jeden Beitrag ihrer Ernte. Außerdem finde ich das Erklären mit Bildern oder das selbst Vorzeigen besser als, wenn man versucht etwas mit viele Wörtern zu vermitteln.
Svenja
Warum engagierst du dich als AckerCoachin?
Weil es einfach Spaß macht, mit den Kindern in der Erde zu buddeln und gemeinsam zu ackern. Außerdem ist es mir sehr wichtig, dass Kinder nicht den Bezug zur Herkunft ihres Essens verlieren. Durch die Bildungsprogramme von Acker lernen sie, wie und wo das Gemüse wächst. Sie probieren dabei auch oft Gemüse, dass sie noch nicht kennen. Es freut mich sehr, wenn ich einen Fortschritt auf dem Acker und bei den Kindern sehe.
Was war bisher dein Lieblingsmoment auf dem Acker?
Ein kleiner Junge, der ganz begeistert „Rudi“ gerufen hat, als er ein Radieschen aus der Erde gezogen hat. Mich berühren aber auch die vielen schönen Momente, wenn sich Kinder über Regenwürmer freuen.
Was machst du, wenn du nicht ackerst?
Ich bin oft am Ackern, da ich auch in meinem eigenen kleinen Garten Gemüse anbaue und bei einer solidarischen Landwirtschaft mithelfe. Ich habe Ökologie studiert und arbeite in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land im Bereich Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Außerdem mache ich Veranstaltungen zu Natur- und Nachhaltigkeitsthemen mit Schulklassen. In meiner Freizeit bin ich gerne draußen am Klettern, Fahrradfahren oder Wandern.
Welchen Ratschlag hast du für das Ackern mit Kindern?
Einfach ausprobieren und machen! Die Kinder haben Spaß beim Selbsterleben und Lernen.
Karolin
Warum engagierst du dich als AckerCoach?
Ich engagiere mich als AckerCoach*in, weil ich durch meine frühere Tätigkeit als Kindergartenpädagogin das Arbeiten mit Kindern liebe und so meinen alten mit meinem neuen Beruf verbinden kann. Es ist mir ein großes Anliegen, Kindern zu zeigen, wo unsere Lebensmittel herkommen und was saisonale und regionale Ernährung bedeutet. Außerdem möchte ich ihnen vermitteln, wie viel Arbeit und Sorgfalt in einem einzigen Stück Gemüse steckt. Ich finde es wichtig, Kindern zu zeigen, wie wir uns der Natur wieder annähern und von ihr lernen können. Der Acker bietet Kindern die Möglichkeit, dies mit allen Sinnen zu erleben: durch Fühlen, Riechen, Schmecken, Hören und Beobachten. Genau dieses unmittelbare Erleben macht das Lernen so nachhaltig und besonders.
Was war bisher dein Lieblingsmoment auf dem Acker?
Ich kann gar keinen einzelnen Lieblingsmoment ausmachen – es sind vielmehr die vielen kleinen Augenblicke, die den Acker so besonders machen. Am meisten freut mich die Neugier und das Staunen der Kinder: mit wie viel Sorgfalt und Leidenschaft sie arbeiten und wie vorsichtig sie mit den kleinen Jungpflanzen umgehen. Beeindruckend ist auch ihr Mut, Neues auszuprobieren und zu verkosten – und das oft ganz ohne Vorbehalte. Aussagen wie „Oh, ist die Kresse scharf!“, „Wird aus dem blauen Popcornmais blaues Popcorn?“ oder auch „Fenchel mag ich nicht – der ist mir zu intensiv“ zeigen, wie ehrlich und direkt Kinder ihre Erfahrungen einordnen. Ebenso schön finde ich die Momente, in denen auch Pädagog*innen und Ackerbuddys inspiriert vom Acker gehen und neue Ideen und Erfahrungen für ihr eigenes Gärtnern mitnehmen können.
Was machst du, wenn du nicht ackerst?
Wenn ich nicht mit den Kindern am Acker bin, mache ich aktuell am Jaklhof in Kainbach bei Graz meine Ausbildung zur Facharbeiterin im Gemüsebau im zweiten Bildungsweg. Meine Liebe zur Natur und zum Gärtnern habe ich mir in den letzten Jahren Schritt für Schritt wieder erarbeitet: vom eigenen Gemüsegarten zuhause über verschiedene Kurse zu Selbstversorgung, Permakultur, Nachhaltigkeit und Zero-Waste bis hin zu dem Wunsch, meine Begeisterung für Pflanzen, Natur und regenerative Kreisläufe auch beruflich zu leben. Privat bin ich Mama von drei Töchtern, die mittlerweile 19, 17 und 12 Jahre alt sind.
Welchen Ratschlag hast du für das Ackern mit Kindern?
Mit Kindern zu ackern ist unglaublich erfüllend. Gleichzeitig habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein entspanntes und stressfreies Arbeiten mit Kindergruppen auch gute Vorbereitung braucht. Mir hilft es sehr, vor Pflanzterminen eng im Austausch mit der Schule und den ackernden Lehrkräften zu sein. So weiß ich schon vorab: Wie weit ist die Vorbereitung? Müssen wir am Pflanztag noch etwas herrichten? Sind genügend Werkzeuge vor Ort? Gibt es einen funktionierenden Wasseranschluss? Und sind genug Ackerbuddys eingeplant? Diese Klarheit beugt Überraschungen und Stress vor und gibt sowohl dem Team als auch den Pädagog*innen Sicherheit – was sich direkt positiv auf die Kinder überträgt. Insgesamt gilt für mich: Gute Vorbereitung, klare Strukturen und gleichzeitig genug Raum für selbstständiges Entdecken schaffen die beste Ackererfahrung für Kinder.
Motiviert von so viel Begeisterung und Herzblut? Dann bewirb auch du dich als AckerCoach*in!
Als AckerCoach*in bringst du im Gemüsebeet Kinderaugen zum Leuchten und Erwachsene zum Lächeln. Begleite unsere Lern- und Begegnungsorte durchs AckerJahr und ernte viele unvergessliche Erlebnisse. Tiefgreifendes Gemüsewissen ist zu Beginn nicht zwingend erforderlich, denn auf der umfangreichen Acker-Lernplattform und in unseren kostenlosen Fortbildungen kannst du dir neues Acker-Knowhow aneignen und bestehendes Wissen vertiefen. Zudem wirst du als AckerCoach*in fair entlohnt.