Wirkung der GemüseAckerdemie Schweiz 2025

Begeisterung säen – Wirkung ernten

Bei Acker Schweiz arbeiten wir seit dem ersten Spatenstich wirkungsorientiert. Das höchste Ziel unserer Bildungsangebote ist es, eine nachhaltige und ganzheitliche Veränderung zu bewirken – bei den Teilnehmenden unserer Programme und in unserer Gesellschaft. Wir analysieren die Wirkung unserer Bildungsprogramme daher regelmässig mit wissenschaftlichen Methoden und untersuchen die Auswirkungen auf die teilnehmenden Kinder, Pädagog*innen und Eltern.

Zudem führen wir mit Hauptansprechpersonen der teilnehmenden Bildungseinrichtungen ein Saisonabschlussgespräch. Ihr Feedback fliesst direkt in die Verbesserung unserer Beratung, Betreuung und Prozesse. Weiter evaluieren wir mittels Feedbackfragebogen alle unsere Fortbildungen für AckerCoach*innen und Pädagog*innen. Deren Feedback setzen wir direkt in der Konzeption und Gestaltung der nächsten Fortbildungen um.

Wirkungsfelder GA

GemüseAckerdemie: Wirkung bei Schüler*innnen

Unsere Evaluation bestätigt immer wieder die positive Wirkung der GemüseAckerdemie. Nach der Teilnahme am Bildungsprogramm können wir bei den Schüler*innen positive Veränderungen in insgesamt neun Wirkungsfeldern feststellen.

Die Schüler*innen erwerben neues Wissen rund um den Gemüseanbau und Lebensmittel, ernähren sich gesünder und bewegen sich mehr in ihrem Alltag. Sie stärken ihr Gemeinschaftsgefühl im Klassenverband, zeigen mehr Wertschätzung für Lebensmittel sowie Interesse für die Natur. Sie entwickeln Verantwortungsbewusstsein für den Acker und steigern durch den Gemüseanbau ihre Selbstwirksamkeit.

Wirkung in Zahlen

In einer Onlinebefragung im Herbst 2025 haben 341 AckerLehrer*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Wirkung des Programms bei ihren AckerSchüler*innen eingeschätzt und beschrieben.

Kinder erklären den Garten

Einen besonders authentischen Einblick geben nun die Kinder selbst: Im Video erklären sie, was sie im Garten machen. So wird sichtbar, wie nachhaltiges Lernen ganz praktisch aussieht – direkt aus der Perspektive der jungen Gemüsegärtner*innen.

Mehr Videos gibt's auf unserem  Instagram Kanal.  

Fotos Lena Stocker Interview Wirkungsbericht Acker Schweiz 25

Mehr als Gemüse: Was ein Schulgarten bewirken kann

AckerPortrait

Was wächst eigentlich, wenn Kinder gemeinsam Gemüse anbauen? Ein Blick in den Schulgarten zeigt: weit mehr als Rüebli und Salat. An der Primarschule Riedhof Pünten in Zürich wird seit 2023 nicht nur geackert, sondern gelernt, gestaunt und diskutiert. Die Primarschule nimmt an der GemüseAckerdemie teil. Weil der Schule keine geeignete Grünfläche zur Verfügung steht, nutzt sie dafür Hochbeete. Das Programm wird den Schüler*innen der 3. bis 6. Klasse im Rahmen verschiedener thematischer Angebote vermittelt. Wir haben den Schulgarten besucht und auf das AckerJahr zurückgeblickt – im Gespräch mit der verantwortlichen Lehrperson Lena Stocker, mit engagierten Schüler*innen und mit zwei Elternteilen. Entstanden ist ein vielstimmiges Portrait, das zeigt, welche Wirkung ein Schulgarten entfalten kann.

Lena, du hast die GemüseAckerdemie dieses Jahr bereits zum wiederholten Male mit Kindern der 3. Bis 6. Klasse durchgeführt. Hast du im Laufe des AckerJahres beobachtet, dass das Interesse an Gemüse gestiegen ist? Oder erzählen sie, was sie zuhause mit dem Gemüse gemacht haben?

Ja, das Interesse am Gemüse nimmt im Verlauf des AckerJahres deutlich zu. Wenn die Kinder etwas mit nach Hause nehmen – wie zuletzt das selbstgemachte Kräutersalz – frage ich jeweils nach, ob und wie sie es verwendet haben. Dann erzählen sie begeistert und tauschen Ideen aus.

Auch bei weniger bekannten Gemüsesorten wie Mangold berichten einige, was sie daraus gekocht haben. Vieles probieren wir direkt vor Ort, etwa die frisch geernteten Rüebli. Mir ist wichtig, dass jedes Kind einmal von allem etwas mitnehmen und ausprobieren kann.

Fotos Lena Stocker Interview Wirkungsbericht Acker Schweiz 25

Inwiefern reflektieren deine Schüler*innen durch das Programm Themen wie Saisonalität, Regionalität oder Lebensmittelverschwendung?

Eigene Lektionen dazu gibt es nicht, aber der grössere Zusammenhang wird immer dann aufgegriffen, wenn er im Garten gerade relevant ist – zum Beispiel bei der Frage, ob Tomaten aus dem lokalen Gewächshaus oder aus Spanien sinnvoller sind. Früher startete ich mit einem theoretischen Input, doch die Kinder wollten meist direkt in den Garten. Heute greife ich solche Themen kurz, gezielt und passend zur Situation auf. Wichtig ist mir, dass sie die Zusammenhänge verstehen.

Fotos Lena Stocker Interview Wirkungsbericht Acker Schweiz 25

Welche Kompetenzen oder Fähigkeiten (z. B. soziale, emotionale, fachliche) konnten durch das Programm gestärkt werden?

Die Arbeit im Schulgarten stärkt viele Kompetenzen. Besonders offensichtlich ist die Entwicklung von Selbstverantwortung: Die Kinder übernehmen eigenständig Aufgaben, arbeiten mit ungewohnten Werkzeugen wie Rebscheren oder grossen Hacken und trauen sich, Neues auszuprobieren. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und eigene Interessen einzubringen – allein oder im Team.

Auch soziale Kompetenzen werden gefördert, etwa beim gemeinsamen Planen und Entscheiden. Lernen geschieht direkt im Tun: Die Kinder beobachten Zusammenhänge in der Natur und verstehen, wie Wetter, Boden, Licht oder Tiere wie Würmer und Schnecken das Wachstum beeinflussen.

Eindrücklich ist zudem der respektvolle Umgang mit der Natur. Für die Kinder ist es selbstverständlich, nicht nur zu nehmen, sondern auch etwas zurückzugeben – etwa indem sie Maiskörner für Vögel zurücklegten. Dieses „Wir nehmen und geben auch etwas“ ist besonders schön zu beobachten.

7 Fragen an drei junge Ackergärtnerinnen

Während einer Ackerstunde an der Schule Riedhof Pünten haben sich Lena*, Anna* und Mia* kurz Zeit genommen, um mit uns über ihre Erfahrungen in der GemüseAckerdemie zu sprechen. Sie erzählen, was ihnen besonders gefallen hat und was sie aus dem gemeinsamen Ackern mitnehmen.

*Namen der Kinder wurden aus Datenschutzgründen geändert

Hallo ihr drei, danke, dass wir euch kurz beim Ackern unterbrechen dürfen. Erzählt, was macht ihr eigentlich bei der GemüseAckerdemie?

Was habt ihr Neues gelernt?

Wie würdet ihr Mulchen jemandem erklären?

Woran erkennt ihr, ob eine Pflanze krank ist?

Welche Tiere im Garten findet ihr besonders cool?

Welches Gemüse findet ihr besonders spannend?

Habt ihr neues Gemüse probiert, das ihr vorher noch nie probiert habt?

Interviews mit Elternteilen

Im folgenden Interview sprechen wir mit zwei Elternteilen von Kindern, die an der GemüseAckerdemie an der Schule Riedhof Pünten teilgenommen haben. Sie berichten aus ihrer Perspektive, wie ihre Kinder den Acker erlebt haben, welche Veränderungen sie im Alltag wahrgenommen haben und welchen Einfluss das Programm auf Essgewohnheiten, Wissen über Gemüse und den Umgang mit Lebensmitteln hatte. Die Einblicke der Eltern ergänzen damit die Erfahrungen aus dem Schulalltag und geben ein wertvolles Bild davon, wie das Ackern auch zuhause Wirkung zeigt. Die Interviews wurden telefonisch durchgeführt.

Ihr Kind macht seit gut einem Jahr bei der GemüseAckerdemie mit. War das Programm zuhause ein Thema?

S. J.: Sie hat sehr positiv davon erzählt, war bei jedem Wetter gerne im Garten und fand es fürchterlich, wenn es mal ausfiel. Sie hatte viel Spass und kam stolz nach Hause, um zu zeigen, was sie gelernt hat.  

C. W.: Ja, wir haben oft darüber gesprochen, weil es mich selbst sehr interessiert. Besonders wenn sie Gemüse nach Hause brachte, war es immer lässig zu sehen, was da wächst und was sie angepflanzt hat. Im Sommer haben wir sogar beim Giessen geholfen und durften ernten.

Fotoshooting Schule & Küche 09/2017

Habt ihr zu Hause mit dem Gemüse etwas zusammen gekocht? Oder wie war das, wenn sie Gemüse mit nach Hause genommen hat?

C. W.: Unterschiedlich. Sie war sehr stolz auf das Gemüse, ass manches direkt selbst und anderes haben wir gemeinsam gekocht – etwa Krautstiel. Wir haben dann zusammen Krautstielwähe gemacht. Krautstiel hat sie neu für sich entdeckt als Gemüse. Auch sonst habe ich das Gefühl, sie ist insgesamt offener für Neues geworden, und auch ich habe dazugelernt. Und zum Glück hat sie auch ein paar Rezepte mitgebracht [lacht].

S. J.: Sie brachte teils unbekanntes Gemüse mit, wollte es unbedingt probieren und wünschte sich auch Rezepte aus der Schule.

Wurden weitere Themen wie Saisonalität oder Food Waste angesprochen?

S. J.: Vor allem Food Waste ist bei uns ohnehin ein Thema. Mein Mann engagiert sich beim Foodsharing – einem Netzwerk, in dem Essen gerettet und weiterverteilt werden. Aber trotzdem glaube ich, durch das „selber“ Anpflanzen, Betreuen, Ernten - das war für sie neu – bekam es für sie nochmals eine andere Bedeutung.

C. W.: Ich glaube vor allem Saisonalität wurde greifbar, weil sie miterlebte, wann was wächst. Durch das, dass sie einmal in der Woche Gemüse mit nach Hause brachte, sprachen wir häufiger darüber.

Fotoshooting Friedrich-Drake Grundschule, Berlin Lichterfelde, 08/2019

Gab es Momente oder Beobachtungen, die Ihnen gezeigt haben, welche Wirkung das Programm auf Ihr Kind hat?

C. W.: Ich habe das Gefühl, sie hat durch die GemüseAckerdemie eine ganz neue Grundlage gewonnen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Man merkt, wie sehr sie sich dafür begeistert und Details in der Natur wahrnimmt. Heute hat sie zum Beispiel ganz begeistert gesagt: „Wow, schau mal, wie perfekt das aussieht, was die Pflanze da macht!“

Ich finde es schön, dass sie ein Auge für diese kleinen, natürlichen Details entwickelt hat und für Dinge, die die Natur hervorbringt.

Hat sich Ihre eigene Sichtweise auf die Ernährung, die Natur oder das Anpflanzen jetzt verändert?

S. J.: Nicht grundsätzlich, aber ihre Begeisterung hat uns motiviert, auch zuhause mehr anzupflanzen – etwa Gurken, Tomaten, Salat und Kräuter auf dem Balkon.

Zwei Kinder werden mit ihrem Gemüse in einer Schubkarre gefahren.

Was würden Sie anderen Eltern über das Programm sagen?

S. J.: Ich würde anderen Eltern das Programm sehr empfehlen. Gerade für Stadtkinder ist es wertvoll, sich die Hände schmutzig zu machen und zu sehen, wo unser Essen eigentlich herkommt. Für unsere Tochter war die GemüseAckerdemie eine tolle und spielerische Erfahrung.

C. W.: Am Anfang gab es einige Eltern, die kritisch reagiert haben, weil die Kinder statt zwei Stunden Mathematikunterricht im Klassenzimmer im Garten waren. Für mich ist jedoch genau dieses praxisnahe Lernen im Garten so wertvoll und nachhaltiger als reine Theorie. Das Wissen bleibt besser hängen, weil die Kinder selbst handeln und Erfahrungen machen. Wenn ich höre, wie meine Tochter davon erzählt, habe ich das Gefühl, dass das Wissen wirklich verankert ist und nicht etwas, das sie morgen wieder vergessen hat.

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