Wirkung AckerRacker Schweiz 2025

Begeisterung säen – Wirkung ernten

Bei Acker Schweiz arbeiten wir seit dem ersten Spatenstich wirkungsorientiert. Das höchste Ziel unserer Bildungsangebote ist es, eine nachhaltige und ganzheitliche Veränderung zu bewirken – bei den Teilnehmenden unserer Programme und in unserer Gesellschaft. Wir analysieren die Wirkung unserer Bildungsprogramme daher regelmässig mit wissenschaftlichen Methoden und untersuchen die Auswirkungen auf die teilnehmenden Kinder, Pädagog*innen und Eltern.

Zudem führen wir mit Hauptansprechpersonen der teilnehmenden Bildungseinrichtungen ein Saisonabschlussgespräch. Ihr Feedback fliesst direkt in die Verbesserung unserer Beratung, Betreuung und Prozesse. Weiter evaluieren wir mittels Feedbackfragebogen alle unsere Fortbildungen für AckerCoach*innen und Pädagog*innen. Deren Feedback setzen wir direkt in der Konzeption und Gestaltung der nächsten Fortbildungen um.

Wirkungsfelder AR

AckerRacker: Wirkung bei Kleinkindern

2025 haben wir das Bildungsprogramm AckerRacker für die Kleinsten (Kita und Kindergarten) ausführlich evaluiert. Die Erhebung fand dabei unter Anwendung quantitativer und qualitativer Methoden bei Kindern, Pädagog*innen und Eltern statt. Positive Veränderungen konnten bei den Kindern nach der Teilnahme in acht unterschiedlichen Bereichen festgestellt werden.

Die Kinder ernähren sich gesünder, zeigen eine positive Einstellung zur Natur und erweitern ihr Verständnis für Naturzusammenhänge. Sie entwickeln mehr Wertschätzung für Lebensmittel, zeigen Verantwortung für ihren Acker und stärken ihr Gemeinschaftsgefühl zu anderen Kindern. Durch den Gemüseanbau steigern sie ihre Selbstwirksamkeit und verbessern ihre motorischen und sprachlichen Fähigkeiten.

Wirkung in Zahlen

2025 nahmen 127 Pädagog*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an der jährlichen Onlineumfrage teil und schätzten die Wirkung des Programms bei ihren AckerKindern ein.

Die Perspektive der Kleinsten: Neue Ansätze zur Wirkungsmessung

Die Wirkungsmessung bei Kleinkindern ist besonders anspruchsvoll. Deshalb hat Acker Schweiz begonnen, die bestehende Methodik sorgfältig zu überprüfen und im Austausch mit Fachpersonen weiterzuentwickeln. 2025 begleitete Acker Schweiz zwei Forschungsarbeiten zur Wirkungsmessung des Ernährungsverhaltens von Kleinkindern. Anders als in der länderübergreifenden Methodik, bei der jährlich die Perspektive der Pädagog*innen auf die Wirkung der Programme erhoben wird, stand hier die direkte Befragung der Kinder im Zentrum.

Insbesondere in der Anfangsphase unterstützte Acker Schweiz bei der Definition der Fragestellungen sowie bei der Wahl geeigneter Methoden. Zudem haben wir den Kontakt zu passenden Kitas und Kindergärten hergestellt und den Austausch mit den beteiligten Pädagog*innen koordiniert.

AckerPorträt, WABE-Kita Am Reesenbüttel in Ahrensburg

Laut einer aktuellen Schweizer Studie zur Ernährung von Kindern [1] essen vier von fünf Kindern in der Schweiz zu wenig Gemüse und Früchte. Die beiden von Acker begleiteten Forschungsarbeiten haben nun untersucht, ob gartenpädagogische Bildungsprogramme einen Einfluss auf Aspekte der kognitiven Lebensmittelkompetenz und auf die Ernährungspräferenzen von Kindern im Alter von 4 bis 6 Jahren haben. Unter kognitiver Lebensmittelkompetenz versteht man dabei das Wissen und Verständnis von Kindern rund um Lebensmittel – zum Beispiel, wo Gemüse wächst, wie es angebaut wird, wie es aussieht und welche Sorten sie unterscheiden können.

Bei beiden Arbeiten wurden ein Test vor und ein Test nach der AckerSaison durchgeführt, um die durch die Teilnahme am Programm AckerRacker bewirkte Veränderung zu erfassen.

[1] Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV (2025): Erste Erkenntnisse der menuCH-Kids Studie. Wie Kinder und Jugendliche in der Schweiz essen, sich bewegen und leben.

Forschungsarbeiten mit Schwerpunkt Ernährung

Projektarbeit PHTG

Ein zentrales Ziel der Projektarbeit im Master an der Pädagogischen Hochschule Thurgau/Universität Konstanz war die Entwicklung und Testung von Messinstrumenten zur Wirkungsmessung des AckerRacker-Programms. Durch die Erprobung dieser Instrumente wollte die Arbeit in erster Linie Erkenntnisse gewinnen, die helfen, die Wirkung des Programms auf die Gesundheitsförderung und das Essverhalten der Kinder auf Kita-Ebene genauer zu verstehen. Die Datenerhebung erfolgte in drei verschiedenen Kitas mit Kindern im Alter von 3 und 4 Jahren. Die Studienautorin weist darauf hin, dass die Stichprobe mit zunächst 24 und im Herbst nur noch 13 teilnehmenden Kindern klein war und zudem keine Kontrollgruppe einbezogen wurde. Im Rahmen eines Einzelsettings wurden den Kindern Bildkarten mit verschiedenen Gemüsesorten vorgelegt, die sie erkennen und benennen sollten. Gleichzeitig hatten sie die Möglichkeit, aus kleinen Probierportionen ausgewählte Gemüsesorten zu verkosten. Zudem durften sie den Bildkarten Smileys (rot, gelb oder grün) zuordnen, um zu bewerten, welches Gemüse sie mögen und welche sie weniger mögen. Parallel wurden zwei Fragebögen für Fachpersonen und Eltern entworfen und verschickt.

Die Annahme, dass Kinder nach der AckerSaison mehr Gemüsesorten benennen können, hat sich bei den Jüngsten in dieser Studie nicht eindeutig bestätigt. Im Herbst war kein signifikanter Unterschied zum Frühling ersichtlich. Bei der Frage nach der Vorliebe und beim Gemüsekonsum zeigten sich jedoch positive Entwicklungen: Die meisten Gemüsesorten wurden nach der AckerSaison im Herbst in ihrer Beliebtheit höher bewertet und die Kinder probierten mehr Gemüse als im Frühling.

Masterarbeit ZHAW

Die an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) eingereichte Masterarbeit untersuchte den Einfluss des Bildungsprogramms AckerRacker auf spezifische Aspekte der Lebensmittelkompetenz von Kindergartenkindern im Alter von 4 bis 6 Jahren in der deutschsprachigen Schweiz. Die Untersuchung umfasste zwei Gruppen mit insgesamt 54 teilnehmenden Kindern. Die Studierende interessierte sich insbesondere dafür, ob Kinder Gemüsesorten erkennen und benennen können sowie welche geschmacklichen Präferenzen die Kinder zeigen. Die Datenerhebung erfolgte in sechs Kindergärten im Einzelsetting. Hierzu wurden die Kinder mithilfe laminierter Bildkarten befragt. Ihre Geschmackspräferenzen wurden anhand einer 5-Punkte-Smileyskala erfasst.

Die Ergebnisse auf Stufe Kindergarten zeigen: Nach der Teilnahme am Programm konnten die Kinder im Herbst signifikant mehr Gemüsesorten erkennen und korrekt benennen. Besonders deutlich fielen die Verbesserungen bei der Buschbohne und beim Fenchel aus, zwei Gemüsesorten, die aktiv im Rahmen der Ackersaison angebaut und gepflegt wurden. Diese Befunde weisen darauf hin, dass praktische Gartenarbeit insbesondere kognitive Lernprozesse stärkt und den Wissenserwerb im Bereich der Ernährung wirksam fördert. Eine Ausnahme war die Gemüsesorte Rande: Beim Erkennen gab es einen leichten Rückgang. Beim Benennen hatte sie vor der AckerSaison den niedrigsten Ausgangswert und zeigte danach nur eine geringe Verbesserung. Viele Kinder machten dazu keine Angabe, und in einem Kindergarten wurde die Rande im Test vor der Saison mehrfach als Zwiebel bezeichnet, was auf Schwierigkeiten bei der visuellen Zuordnung hindeutet.

Auffällig ist, dass Gemüsesorten mit einem sehr niedrigen Bekanntheitsgrad vor der Ackersaison - wie Buschbohne oder Fenchel -danach nicht nur besser erkannt und benannt werden konnten, sondern auch eine deutlich höhere Präferenz erhielten. Die geschmacklichen Präferenzen blieben insgesamt weitgehend stabil oder zeigten bei wenigen Gemüsesorten sogar eine leicht negative Tendenz.

Setting Forschungsarbeit für Acker Schweiz

Fazit der Forschungsarbeiten

Beide Forschungsarbeiten kommen zum Schluss, dass ihre Erkenntnisse zum Einfluss des AckerRacker-Programms auf das Ernährungsverhalten von Kindern mit Vorsicht zu interpretieren sind. Um zukünftige Forschung aussagekräftiger zu gestalten, empfehlen die Autorinnen grössere und vergleichbare Stichproben sowie den Einbezug von Kontrollgruppen. Zudem regen sie den Einsatz alternativer oder ergänzender Erhebungsmethoden an, etwa Verkostungselemente oder die Verwendung von realem Gemüse statt Bildmaterial, um sensorische Veränderungen präziser abzubilden und Missverständnisse zu vermeiden. Darüber hinaus sollten potenzielle Einflussfaktoren wie häusliche Ernährungsgewohnheiten, Gartenaktivitäten oder soziokulturelle Hintergründe systematisch berücksichtigt werden. Langfristig könnten Längsschnittstudien, die Kinder über die Kindergartenzeit hinaus begleiten, wertvolle Einblicke in die nachhaltigen Effekte früher Gartenerfahrungen auf Ernährungsgewohnheiten und Präferenzen liefern.

Gemeinsam anpacken

Die erzielten Ergebnisse und unsere Wirkungsmessung wären ohne die Unterstützung unserer Partner nicht möglich. Ihr Engagement macht den Unterschied.