Acker Porträt 29. April 2026 Daniela Schneider

Verwurzelt - vom Einsatz als AckerCoach auf dem Acker, und Plänen, die nicht immer aufgehen

Matthias (oben links) ist AckerCoach bei Acker Schweiz – seit einem Praktikum 2020, das ihn nie ganz losgelassen hat. Acker Schweiz

Er hat Schüler*innen durch Frost und Hitze begleitet, während der Pandemie Pflanzen vor der Schultür deponiert und gelernt, was kein Handbuch lehren kann. Nach vielen Jahren auf dem Acker verrät AckerCoach Matthias, was er heute anders macht – und warum sein bester Trick ein simples Holztäfelchen ist.

Im Gespräch blickt Matthias auf sechs Jahre Erde, Kinder und Gemüse zurück.

Was war ein besonderes Highlight der letzten Jahre?

Viele – aber zwei bleiben haften. Während Corona haben wir Videos auf dem Referenzacker gedreht und die Pflanzen direkt zu den Schulen gebracht. Verrückte Zeit, aber sie hat gezeigt, wie viel Herzblut in dieser Gemeinschaft steckt.

Und dann gibt es die stillen Momente: ein Projekt am Greifensee, wo gleich neben dem Acker direkt eine Biodiversitätsförderfläche liegt und die Schülerinnen und Schüler darin immer wieder wissbegierig schöne Wildblumen und Nützlinge suchen. Ackerbau und Naturschutz Hand in Hand.

Wie hat sich deine Arbeit in den letzten Jahren verändert?

Der Acker selbst ist erstaunlich konstant geblieben. Was gewachsen ist, ist das Drumherum: engere Koordination zwischen den Regionen, mehr Austausch unter den Coaches. Und die Beziehung zum Lernort und zu den Lehrpersonen wurde über die Jahre vertieft – man kennt sich, und das merken die Kinder.

Was war am Anfang schwierig – und was fällt dir heute leichter?

Am Anfang war die Ad-hoc-Planung bei den Pflanzungen das Schwierigste: halb so viele Kinder wie erwartet, falsches Wetter, eine Gruppe, die ganz andere Bedürfnisse hat. Auch die Frage, wie man Kinder in ruhigeren Momenten beschäftigt, musste ich erst lernen.

Heute achte ich bewusst darauf, selbst keine feste Gruppe im Beet zu betreuen – das gibt mir den Kopf frei für das, was gerade wirklich gebraucht wird.

Was empfiehlst du AckerCoach*innen, die gerade neu starten?

Die Unterlagen wirklich durcharbeiten – nicht überfliegen. Und: flexibel bleiben. Die Planung ist nie fix, und das ist kein Fehler, das ist der Kern der Sache.

Mein persönlicher Tipp: Holztäfelchen mitbringen, die die Kinder selbst beschriften können – in verschiedenen Sprachen, mit eigenen Namen für Beete und Pflanzen. Eine kleine Geste, die sofort Zugehörigkeit schafft.

Matthias, du bist im neuen Kompaktkurs zu sehen. Was denkst du, bringt er frischen Schulgärtner*innen?

Die Idee ist gut – und ich sage das nicht nur, weil ich mitgemacht habe. Der Kurs ist interaktiv, reich an Veranschaulichungen und wirklich umfassend. Auch ohne Vorwissen kommt man gut ins Thema, vielleicht mit etwas persönlicher Recherche an der einen oder anderen Stelle. Aber genau das brauchen wir: Menschen, die motiviert sind, sollen nicht an fehlenden Infos scheitern.

Der Kompaktkurs: Einfach zum Schulgarten

Neu auf dem Gemüseacker? Der Online-Kompaktkurs von Acker Schweiz bietet einen interaktiven Einstieg – mit vielen Bildern, praxisnahen Modulen und ohne Vorwissen nutzbar. So gelingen die ersten Schritte zum eigenen Schulgarten.

AckerCoach Liisa zeigt den Kindern wie man die Setzlinge in der Erde festdrückt.

Was macht eigentlich ein AckerCoach?

AckerCoach*innen begleiten Organisationen, die bei den Bildungsprogrammen GemüseAckerdemie und AckerRacker teilnehmen, während der Saison auf ihrem Gemüseacker – von der Aussaat bis zur Ernte. Sie:

  • Führen das Kita- Kindergarten oder Schul-Team in die Arbeit auf dem Acker ein
  • Begleiten die Pflanzungen gemeinsam mit Pädagog*innen und Kindern
  • Geben ihr Wissen rund um Gemüse, Boden und Biodiversität weiter