Schulgarten geht immer: Wie eine Zürcher Primarschule den Acker in den Schulalltag bringt
Mit den Händen in der Erde. So wird Natur erlebt und gelernt. Lena Stocker
Auch ohne klassische Gartenfläche können Schüler*innen Gemüse anbauen und Natur erleben, wie das Beispiel der Schule Riedhof Pünten in Zürich zeigt.
Die Primarschule nimmt seit 2023 an der GemüseAckerdemie teil. Das Programm wird den Schüler*innen der 3. bis 6. Klasse im Rahmen verschiedener thematischer Angebote vermittelt. Wir haben der Schule einen Besuch abgestattet und uns mit der zuständigen Lehrperson Lena Stocker unterhalten. Sie erläutert, wie Gartenunterricht in den Schulalltag integriert werden kann – praxisnah, kreativ und mit grossem pädagogischem Mehrwert.
Lena, was war deine Motivation, das Programm an eurer Schule umzusetzen?
Meine Motivation war vor allem die Freude am Draussensein – bei jedem Wetter. Von Beginn an war klar: Wir sind immer draussen, auch bei Regen. Die Natur vom Spätwinter über den Frühling bis in den Herbst zu erleben, ist etwas Besonderes. Im Sommer kühlen wir uns mit dem Schlauch ab, im Winter ernten wir Nüssli-Salat bei Kälte.
Mir geht es darum, Natur unmittelbar zu erfahren und Kreisläufe zu verstehen. Gleichzeitig fördert das Programm die Wertschätzung für Lebensmittel. Im Laden ist alles makellos – ohne Schnecken oder Wurmlöcher. Hier erleben die Kinder, was das konkret bedeutet. Nicht durch Theorie im Schulzimmer, sondern durch eigenes Tun und Beobachten.
Welche Bedeutung hat das praktische Arbeiten draussen für das Lernen deiner Schüler*innen?
Ich lasse die Kinder am Ende der Stunde etwas notieren, damit Erlebtes besser in Erinnerung bleibt. Gleichzeitig halte ich den schulischen Anteil bewusst gering. Theorie entsteht aus der Praxis: Warum ist das so? Was hilft jetzt weiter? Wissen soll im Tun wachsen.
Beim Saisonabschluss-Quiz zeigen sich oft Lücken im Faktenwissen. Doch der intellektuelle Zugang entwickelt sich später. Entscheidend ist, dass die Kinder jetzt eine Verbindung aufbauen – Offenheit und echtes Interesse.
Bekommst du auch Feedback von den Eltern?
In den Sommerferien haben viele Eltern mitgeholfen. Ich erstelle einen Wochenplan, in dem eingetragen ist, welche Familien unterstützen. Sie schicken Fotos von ihrer Arbeit und der Ernte – das ist sehr wertvoll.
Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Ein Vater erzählte mir kürzlich, es sei die absolute Lieblingsstunde seiner Tochter. Die Kinder tragen ihre Erfahrungen nach Hause – wenn sie mit Rüebli heimkommen, wird das automatisch Thema.
Was würdest du anderen Schulen oder Kolleg*innen mitgeben?
Mich überrascht, dass ein solches Programm nicht fest im Lehrplan verankert ist – etwa mit einem eigenen Schulgarten als verbindlichem Fach auf einer bestimmten Stufe. Für mich ist das selbstverständlich. Es ist eine Bereicherung für alle Beteiligten und stösst auf grosses Interesse.
Im ersten Jahr startete ich mit einer Gruppe, im zweiten mit zwei, inzwischen sind es drei. Die Anmeldungen sind voll, die Nachfrage ist klar vorhanden. Das Interesse kommt von den Kindern selbst.
Für mich gehört das zur Bildung. Der Satz "Man schützt nur, was man kennt" trifft zu. Wer Natur versteht, ist eher bereit, Verantwortung für sie zu übernehmen.